WIE DU DEINE SONNEN- UND DEINE SCHATTENSEITEN AKZEPTIERST

Von Lea Udry

Sonnen- und Schattenseiten

„Wer zugleich seinen Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten und damit kommt er in die Mitte.“

Dieses Zitat von Carl Gustav Jung steckt voller Philosophie und Möglichkeiten…

Wahrscheinlich hatte dein bisheriges Leben, genauso wie meins, sowohl Sonnen- wie auch Schattenseiten.

Und lass uns das Ganze hier mal nicht in „Gut“ oder „Schlecht“ kategorisieren, sondern uns ganz pragmatisch klar darüber sein, dass Schatten nur dort existieren kann, wo auch Licht existiert. Das Dunkle gehört ebenso zu uns, wie die Nacht zum Tag. Hab keine Angst deine Schatten anzusehen und anzunehmen, da du bekanntermassen hinter dem Schatten IMMER Licht finden wirst. Denn die Schwingung des Lebens vollzieht sich in einem ewigen, pulsierenden Rhythmus von Kontraktion und Expansion, den die Tantriker Spanda nennen.

Dieser zyklische Puls, oder eben Spanda, findet sich naturgemäss überall; in den Jahreszeiten, im Wechsel zwischen Tag und Nacht, in der Zu- und Abnahme des Mondes, in den Gezeiten von Ebbe und Flut, im Tag- /Nacht-Rhythmus, im Zyklus der Frau, im Wechsel von Ein- und Ausatmen, im Kreislauf von Geburt und Tod, ja sogar in der Bewegung des Bewusstseins  oder unseren Gedanken.

Vielleicht hast du in der Meditation schon mal bewusst beobachtet, wie ein Gedanke auf natürliche Weise aufgetaucht und dann auf natürliche Weise wieder gegangen ist, wodurch Raum oder Potenzial für den nächsten Gedanken entstanden ist. So wie auch Yin und Yang aus der chinesischen Philosophie für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Prinzipien stehen. Das weiße Yang (hell, hart, heiß, männlich, aktiv, bewegt) und das schwarze Yin (dunkel, weich, kalt, weiblich, passiv, ruhig) stehen einander gegenüber. Harmonie entsteht durch das Vereinen der beiden Pole.⠀

Das Universum um uns herum repräsentiert unsere innere Realität. Wie oben, so unten. Unsere innere und äussere Realität ist nicht statisch, sondern in ständiger Bewegung, in einem fortwährenden Tanz zwischen Manifestation und Potential, zwischen Kontraktion und Expansion.

Unser Bewusstsein besteht in seinen Extremen aus Ego und Höherem Selbst. Wir pendeln solange zwischen diesen beiden Extremen, bis wir unser Ego ablegen, das Gesetz des Rhythmus überwinden und nur noch im Höheren Selbst leben.

Bis dahin und mit etwas (innerer) Arbeit, erkennen wir in all den uns gestellten Aufgaben, eine Botschaft, eine Lehre.

Du trägst deinen Guru im Herzen

💡 Das Wort Guru bedeutet frei übersetzt Gu = „Dunkel“ und Ru = „Licht“.⠀

Der Begriff beinhaltet also sowohl das Licht als auch den Schatten.⠀

Vielleicht können wir mit der Weisheit von „Gu – Ru“ im Herzen die Geheimnisse des Lebens ergründen und die Welt um uns herum neutral und liebevoll betrachten, denn sie spiegelt den Schatten nicht mehr.⠀

Sei mutig und entdecke verborgene Schätze

Wir verbringen ungemein viel Zeit damit, unser Aussen zu pflegen; wir putzen unsere Wohnung, wir waschen unser Auto, wir achten auf unser Aussehen. Vielleicht ernähren wir uns gesund, schlafen genug und treiben Sport.

🙌🏼 Solange wir uns nicht mit unseren Schatten auseinandersetzen, werden wir die Ursache unserer „Probleme“ stets im Aussen suchen.

Lieber den Beruf, den Ehepartner, die Freunde, die Wohnung, die Hobbies oder die Umgebung wechseln, anstatt ein Stück tiefer zu graben und Schattenthemen aufzulösen. Das Hinsehen und Handeln braucht Mut und Kraft und der Weg ins Licht ist oft mühselig – aber bestimmt wesentlich nachhaltiger und heilsamer, als immer nur an der Oberfläche im trüben Licht hängen zu bleiben, welches keine Schatten wirft.⠀

Viele unserer Schatten sind vielleicht gar verborgene Schätze, gefüllt mit spirituellen Durchbrüchen und eine Annäherung an unser wahres Ich.⠀

Vielleicht sind manche deiner Schatten versteckte Persönlichkeitsanteile, die du lieber nicht repräsentieren möchtest oder derer du dir nicht einmal bewusst bist.

Doch diese Anteile wieder aufzudecken, anzunehmen und gar zu integrieren, wird dich befreien und dazu beitragen, in deiner eigenen Entwicklung enorm voranzukommen und dich mehr und mehr zu dem Menschen werden lassen, der du eigentlich bist. Dein lichtvollstes Ich, welches keine oder fast keine Schatten mehr wirft.

Wenn wir diese perfekte „Vorstellung“, welche wir polieren und pflegen und die wir uns für das Aussen aufsetzen, fallen lassen, erlauben wir uns endlich wieder die rohste aber auch echteste und wahrste Version von uns selbst zu sein. Dadurch können wir wieder das Leben leben, wofür wir hier sind.

Hast du dir schon mal die Frage gestellt, ob du dich so fest am Aussen orientierst und das du alles tust um dein Inneres zum Schweigen zu bringen oder nicht näher hinsehen zu müssen?

Was wenn wir genau so viel (oder mehr) Zeit in das Erforschen unseres Inneren stecken würden, anstatt uns stundenlang mit unsinnigen Netflix Serien zu „betäuben“?

Wenn wir mehr Energie in das Innen und weniger ins Aussen stecken, steht uns die ganze Welt offen.

Ich stelle mir das Ganze oft vor als würden wir ein Pflaster auf eine Wunde kleben. Wahrscheinlich wird dadurch die Blutung gestoppt, doch die Wunde ist noch immer da. Erst wenn der innere Heilungsprozess eintritt, kann die Verletzung heilen.

Doch wer möchte schon seine eigenen Wunden sehen? Und möchten wir nicht alle lieber nur auf Wolke 7 schweben?

John Strelecky erklärt es in seinem Buch „Das Leben gestalten mit den Big Five for Live“ genau richtig:

Das Geheimnis des Lebens besteht darin, eine Sinuskurve zu haben, die sich nicht ständig gleichförmig zwischen diesen beiden Polen bewegt, sondern im Laufe der Zeit ansteigt. Eine aufsteigende Lebenskurve. Im Leben eines solchen Menschen sieht es anders aus. Er pendelt nicht zwischen zwei Hoch- und Tiefpunkten hin und her, sondern erreicht immer wieder neue Höhen.

Jeder hat Tiefpunkte im Leben. Das ist unvermeidlich. Selbst wenn man sich auf der richtigen Reise befindet und sich in die Richtung bewegt, in die man gehen will, kommt es zu Tiefpunkten. Auf einer aufsteigenden Lebenskurve jedoch liegen die Tiefs ab einem bestimmten Moment an einem höheren Punkt als früher die Hochs.

Das zu erreichen ist eigentlich sehr einfach. Je mehr Zeit man am Tag mit etwas verbringt, das den eigenen Zweck erfüllt, den Dingen, die man in seinem Leben am liebsten tun, sehen oder erleben möchte-, desto stärker steigt die Lebenskurve an.“

Jedes einzelne Mal wenn du auf deine Yogamatte trittst, hast du die Chance alte Muster aufzudecken und loszulassen um deine Lebenskurve etwas anzuheben und dich deinem Licht etwas mehr zu nähern.

Lass dieses Licht zwischendurch für dich und andere strahlen, denn die Welt braucht jeden von uns in seiner Einzigartigkeit!

Lasst uns also unsere Matten ausrollen und uns unseren Schatten stellen.

Von Herz zu Herz

Deine Lea